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Utl. Von der fehlenden Moral der Gesellschaft, hin zur Privatisierung der Lagerbetreuung.

Ein Kommentar von NR Max Unterrainer zum Flüchtlingsdrama in Österreich.

 

Die Berichte von Amnesty International und Ärzte ohne Grenzen haben uns erneut die bittere Realität der aktuellen Flüchtlingssituation gezeigt. Es gibt eindeutig zu wenig kooperierende Gemeinden, zu wenig Mitarbeiter sowie zu wenig, menschenwürdige Unterkünfte. Würdig bedeutet nicht Zuflucht zu erhalten, um im eigenen Land nicht erschossen zu werden. Nein, würdig bedeutet auch das Recht auf eine saubere und sichere Unterkunft zu haben.

 

Rechte Parolen in den Medien sind allgegenwärtig. Es sagt sich so leicht, schicken wir sie einfach zurück, dann hat Österreich kein Problem. Sind diese Aussagen nur unbedacht oder einfach dumm? Wir sprechen von Flüchtlingen oder schlimmer noch von Asylanten, aber nicht von Müttern und Vätern, wir sprechen von Sozialschmarotzern und Kriminellen, aber nicht von Ärzten oder Facharbeitern. Unsere Steuerflüchtlinge hingegen gehören zum guten Ton unserer Gesellschaft. 

 

unterrainer jan2014©eli zweiraum 068

 

 

Die Ministerien und ihre Fachleute müssen so schnell als möglich Lösungen finden. Österreich ist überfordert, aber bitte tun wir doch nicht so als wären wir total überrascht worden. Im Nahen Osten herrscht doch nicht seit kurzem Krieg. Die Gräueltaten in Folgedes Arabischen Frühlings in Syrien, die Massenflucht in den Libanon und der Vormarsch von Boku Haram in Afrika liegt anscheinend schon in Vergessenheit. Lediglich der Machtkampf durch die IS tritt uns manchmal ins Bewusstsein.

 

Traiskirchen ist wohl das beste Beispiel für die Blamage der jetzigen Flüchtlingspolitik. Seit Jahrzehnten ist die Einrichtung chronisch „überbelegt“. Pröll wollte vehement das Flüchtlingsheim, mit einer damaligen Belegung von 1300 Menschen, schließen. Fekter einigte sich auf einen Kompromiss von utopischen 500 Personen. War wohl die Angst zu groß, bei den Landtagswahlen 2015 einen Denkzettel zu kassieren. Lassen wir lieber die Moral und das Pflichtbewusstsein im Kämmerchen unseres schönen Eigenheims - gut behütet von unserer Scheinheiligkeit.

 

Anscheinend wird aus diesem Drama auch noch Profit geschlagen: 2003 hat der OGH entschieden, dassÖsterreich für die Grundversorgung von Flüchtlingen verpflichtet ist. Zuvor war diese finanzielle Sicherung unter der Riege von Strasser und Co nur für ein Drittel bis Fünftel zugänglich. Damals hat Österreich für das Betreuungsentgelt fünfzehn Euro pro Person und Tag bezahlt. Die Firma European Homecare konnte diesen Preis jedoch um zwei Euro unterbieten. Sieben Jahre später wurde der Vertrag einseitig gekündigt – es waren wohl zu wenige Flüchtlinge in Traiskirchen. Seitdem ist die Schweizer Firma ORS für die Betreuung der Flüchtlingsheime zuständig – schon fast unter einem Monopol. Doch wie viel Österreich an die ORS bezahlt ist unklar. Die genauen Kosten unterliegen einer Geheimhaltungsklausel des Innenministeriums.

 

Ein Schweizer Journalist beschreibt passend dazu: „ORS hat diese Zustände nicht gewollt, die Mitarbeiter arbeiten an der Grenze der Belastbarkeit. Aber die Aktiengesellschaft ist nicht den Mitarbeitern und nicht den Asylbewerbern, sondern ihren Aktionären verpflichtet. Und die schauen in die Bilanzen, nicht in die Schlafsäle des Lagers Traiskirchen.“

 

Die Politik, die Privatwirtschaft und die NGOs sind gefordert. Humanitäre Organisationen wie die Caritas, die Diakonie, das Rotes Kreuz oder die Volkshilfe müssen die Möglichkeit bekommen, den Menschen zu helfen und sich gemeinsam zu organisieren, egal ob mit oder ohne einem Privatunternehmen. Menschen müssen für Menschen arbeiten können, ohne ständig Gedanken an den eigenen Profit verschwenden zu müssen.